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Interview: Mario aka. Pombär

"Warum immer nur offizielle Personen?" So dacht sich Darg0 das, als ihm die Idee kam auch mal einfach Communitymitglieder ins Kreuzverhör zu nehmen. "Die haben doch sicher genausoviel zu erzählen" und deren Meinung fände er ebenso interessant wie die anderer. Wie wir feststellen mussten, haben einige anscheinend eine ganze Menge zu erzählen. Nach unserem ersten Aufruf nach einem willigen Opfer... ehm... Interviewpartner und den "unzähligen" Angeboten haben wir uns den Pombär ausgesucht und was dabei raus kam, könnt ihr jetzt hier nachlesen.

Hallo Mario, schön, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Erzähl uns doch mal, wer du eigentlich bist.
Mit richtigem Namen heisse ich Mario. Ich werde demnächst 25 und lebe in der ländlichen Idylle Österreichs, ca. 50km von Wien entfernt. Ich habe eine Ausbildung zum Siebdrucker gemacht und seitdem Einiges an Branchen und Sparten durchwandert. Derzeit bin ich im Möbelhandel tätig. Nebenbei hole ich gerade mein Abi in der Abendschule nach. Man sieht, ich bin eine richtige Hybridklasse. :)

Meine grosse Leidenschaft ist die fernöstliche Kampfkunst Karate, ausserdem finde ich noch Zeit, Gitarrenunterricht zu nehmen und Musik zu komponieren. Derzeit überlege ich, wie ich am Ende eines typischen 48-Stunden-Tages noch einen gepflegten Instanzrun einbauen könnte. :)

Seit wann kennst du denn schon TCoS und wie bist du darauf aufmerksam geworden?
Puh, ist eigentlich schon eine ganze Weile. Das erste mal auf der TCoS-Seite müsste ich wohl irgendwann im Sommer 2005 gewesen sein. Auf der Suche nach interessanten MMORPGs hab ich ein wenig im Netz rumgeforscht. Wie genau ich auf Spellborn gestossen bin, will mir nicht mehr einfallen. Aber ich weiss noch, dass es schon damals den gleichen Eindruck auf mich gemacht hat wie heute: irgendwie anders, total eigenständig und sehr vielversprechend.
Ich war eigentlich all die Zeit auch ein regelmässiger Besucher der offiziellen Seite und wurde erst sehr viel später ein registriertes Mitglied in den Foren.

Wieso hat dich Spellborn so interessiert und warum hast du dich der Community angeschlossen?
Zunächst einmal hat mich, wie bereits erwähnt, die Andersartigkeit fasziniert.
Es gibt Leute, die bauen ihr ganzes Leben auf starren Gewohnheiten auf – zB jedes Jahr an den gleichen Urlaubsort fahren, statt die Zeit zu nutzen, um aus der Routine auszubrechen sich auch mal Unbekanntem auszusetzen. Oder die fiese Angewohnheit, sich ständig das gleiche Computerspiel zu kaufen – zB unausstehliche Vietnam/zweiter Weltkrieg/Antiterror-Einheit-Kriegsspiele, die sich alle gleichen wie ein Ei dem anderen. Im Rollenspielbereich sind Klischees genauso verbreitet. Elfen, Zwerge, Orks, mächtige Zauberringe, schöne Prinzessinnen, weise Männer mit Bart und dazu der allgegenwärtige „filmreife symphonische Soundtrack“ – wie aufregend …
Man hört ja oft, dass Leute Rollenspiele spielen, um dem trockenen und phantasielosen Alltag zu entfliehen – und dann tauchen sie in die trockene Phantasielosigkeit der Fantasy ein, haha.

TCoS wirkte auf mich irgendwie anders. Die Screenshots und das allererste Video, in dem unter anderem die Strassen von Quarterstone zu sehen waren, versprühten bereits etwas sehr eigenes und anziehendes, und wirkten auf mich nicht bloss wie eine Fassade für genreübliche Spielmechaniken, sondern wie etwas, das auch tatsächliche Substanz hat und wirklich sehens- und erlebenswert ist. Dieser verdreht-märchenhafte Grafikstil, die etwas melancholische Musik von Jesper Kyd, das einzigartige Setting, eine tatsächlich hörenswerte Story – es wirkte nicht wie all der langweilige Standardkram, sondern versprühte eine gewisse Magie. Quasi Fantasy, das die Fantasie anregt.

Weiters positiv für mich war die Tatsache, dass sich das Gruppenspiel auf eher geringe Spielerzahlen beschränkt. Ich mag keine aufgeblasenen Raids und finde das Spielen in einer kleineren Gruppe, wo sich jeder Charakter voll entfalten und einbringen kann und muss, spannender, und ausserdem auch intimer. Natürlich ist das für vielbeschäftigte Leute wie mich, was Zeitmanagement angeht, weitaus vorteilhafter.

Ich hab die Entwicklung also mehr oder weniger seit den Anfängen mitverfolgt und bin irgendwann auch ganz natürlich in die Community „hineingewachsen“, sozusagen.

Wie gefällt dir der momentane Zustand der Community und wie würdest du sie dir nach Release wünschen?
Eine sehr interessante Frage. Einer der Gründe, warum mein Interesse an TCoS sich so lange halten konnte ist, dass ich die Community als ausnehmend angenehm empfunden hab. Das ist in Online-Spielen ja leider keine Selbstverständlichkeit. Aber die deutschsprachige TCoS-Fanbase besteht grösstenteils aus wirklich entspannten und freundlichen Leuten, die auch was zu sagen haben. Das ist klasse und auch etwas, was ich mir ingame wünsche: ausgelassene, freundliche Leute, mit denen man Spass haben kann und die auch echte Persönlichkeiten sind, wegen denen man den Gildenchannel gerne an lässt, auch wenn man nicht gerade zusammen unterwegs ist.

Nebenbei gesagt hat sich das Klima im englischsprachigen Teil der Community doch erheblich verschlechtert, wie ich finde. Dort sieht man verstärkt auch Sachen, die ich in Online-Spielen nicht mag: Besserwisserei, Arroganz, eine latente Schlechtgelauntheit und Gereiztheit und zum Teil auch eine offensichtliche Freude an sinnloser Konfrontation und Flamerei – vor allem wenn es um die typischen Aufregerthemen wie PvP und Casual vs. Progamer geht.

Zusätzlich dazu kommt dann noch ein Phänomen, das ich gerne als „Counterstrike-Syndrom“ bezeichne. Manche Leute versuchen, Ganking, verbale Konfrontation und sinnloses PKing als legitime Spielmotivation zu etablieren und es anderen Spielern aufzudrängen. Diese Spieler haben Freude daran, unangenehm zu sein und das ist eine ärgerliche Sache, die das Spielerlebnis kaputt machen kann. Dumme, aufdringliche Leute, die mangels Argumentation jegliche Art von Gegenstimmen mit dem schwachsinnigen Sammelbegriff „Carebear“ abzutun versuchen.
Ich denke, dass eine selbstzweckmässige Headshot-Mentalität in Rollenspielen nichts verloren hat. Da ist mir eine Spur zu viel gegeneinander drin und eine Spur zu wenig miteinander.

Was findest du an Spellborn so "herausragend", dass es dich so fesselt, obwohl du es noch nie wirklich spielen konntest?
Vieles, vor allem gerade all die Dinge, durch die sich das Spiel von den anderen Genrevertretern abheben soll. ZB finde ich es gut und richtig, in Sachen Charakterklassen die alten Gewohnheiten etwas aufzumischen und die üblichen Verdächtigen wie Schurken, Magier und Krieger aus einem etwas anderen Blickwinkel zu betrachten. TCoS scheint auch die Grenzen zwischen Nah- und Fernkampfdistanz nicht so drastisch und einseitig zu definieren, wie es in den meisten anderen Spielern üblich ist. Ich habe es zb nie verstanden, wieso eine Klasse wie der Magier, die an sich grosses Potential hat, dazu verbannt ist, immer nur aus sicherer Entfernung Feuerbälle zu schmeissen und im Nahkampf ein Weichei zu sein. Gerade der Magier könnte seine arkane Überlegenheit doch äusserst effektiv auch im Nahkampf nutzen.

Grossartig find ich auch die Möglichkeit, seinen Charakter optisch ganz nach eigenen Vorlieben gestalten zu können. Auch das sehe ich vor allem als Möglichkeit, die langweiligen Stereotypen zu umgehen und stattdessen Charaktere zu kreieren, mit denen man sich auch wirklich identifizieren kann. Da freue ich mich wirklich drauf.

Was ich auf jeden Fall noch gerne erwähnen würde, ist die musikalische Untermalung. Die find ich auf jeden Fall herausragend und ungewöhnlich atmosphärisch für ein Computerspiel. Erfreulich ist vor allem, dass man bei vielen Stücken kreativ vorgegangen ist und nicht bloss mit typischen Fantasy-Jingles daherkommt, sondern auch viele perkussive Elemente und kalte Ambient-Sounds einsetzt – was sehr gut zu einer fremdartigen, postapokalyptischen Welt passt.

Und ich hoffe wirklich, dass das Spiel nicht nur in Sachen Spielmechanik und Features überzeugt, sondern vor allem auch durch das allgemeine Flair und die Rahmenhandlung. Das fehlt vielen Spielen und manchmal verkommt das Ganze zu einem reinen Gebolze und XP-Gefarme.

Wir warten ja nun schon einige Zeit auf TCoS. Wie war es für dich, als die DEVs letztes Jahr verkündeten, dass das Releasedatum auf das 1. Quartal 2007 verschoben wird?
Hm, es gab ja nun schon einige Verschiebungen … ich versuch mich an alle zu erinnern. Ursprünglich war es ja mal für Mai 2006 angekündigt, wenn ich mich nicht täusche. Ich muss sagen, der Termin für Oktober 2006 war der erste, den ich auch ernst genommen und mit dem ich gerechnet hatte. Als der Release dann kurzfristig wieder abgeblasen wurde, war ich schon ziemlich enttäuscht. Das war nicht so schön. Eigentlich überhaupt nicht. :)
Dann hiess es, Ende 2006, aber da wusste ich bereits, dass das niemals hinhaut, und ab da hab ich das Ganze dann auch viel entspannter betrachtet. Auch das erste Quartal hab ich nicht für realistisch gehalten, und wie man ja heute weiss, lag ich damit auch richtig.

Spiele werden halt laufend verschoben. Mir ist jedoch am Wichtigsten, dass TCoS zum Release auch als einwandfrei laufendes und vor allem auch wirklich überzeugendes Spiel herauskommt. Klar war es eine Enttäuschung, als das Spiel verschoben wurde. Aber man stelle sich erstmal die Enttäuschung vor, wenn sich herausstellen sollte, dass das Spiel, auf das man seit 3 Jahren wartet, nur Hirngespinst war, und in Wirklichkeit ein totaler Blender und ein schrottiges Machwerk ist! Die Möglichkeit besteht immer und deswegen sehe ich der Fertigstellung von TCoS eher entspannt und geduldig entgegen.

Ich verstehe es auch nicht, wenn Leute aufgrund von Verschiebungen oder „zu wenig Advertising“ das Interesse verlieren und sich erstmal nach anderen Sachen umgucken. Ich denke mal, wenn man von einer Sache wirklich begeistert ist und an sie glaubt, wird sie nicht weniger reizvoll, wenn man länger auf sie warten muss. Auch frage ich mich manchmal, wie die Leute ihre Spiele aussuchen. Kaufen sie sich das, was ihnen am besten gefällt, oder das, was in den Zeitschriften und auf Webseiten am meisten beworben wird?

Spellborn geht ja nun in die entscheidende Phase, die letzte Closed Beta soll bald starten, die Open Beta ist für April vorgesehen und im Mai soll es dann schon soweit sein mit dem Release. Denkst du, dass bis zum Release das Spiel mit allen Features fertig gestellt ist und auf was sollte man deiner Meinung nach ein besonderes Auge werfen?
Erfahrungsgemäss kommen Online-Spiele nie mit allen geplanten Features raus und manche von ihnen werden niemals realisiert (hat gerade jemand „Heldenklassen“ gesagt?). Darauf hab ich mich auch eingestellt, aber die zentralen Elemente, die das Spiel ausmachen, sollten vorhanden sein – ein voll funktionierendes aktives Kampfsystem mitsamt dem Skilldeck, die umfangreiche Charaktererstellung und die Gestaltungsfreiheit der Outfits, vollständige und ausbalancierte Klassen, ausreichend Content, also vollständige Questreihen und Instanzen, ein sinnvolles PvP-System … und ich denke, das Spiel sollte unbedingt von Anfang an sauber laufen, sich flüssig spielen und nicht alle Nase lang mit unglaublich bescheuerten Bugs nerven.
Ich denke, die technische Performance ist sogar das wichtigste Kriterium. Wenn’s scheisse läuft, spielt’s nach kurzer Zeit keine Sau mehr.

Es soll ja eine Standard Version und eine Collectors Edition zu Spellborn erscheinen. Momentan ist ja noch nicht bekannt, welche Gimmiks in der CE enthalten sein werden. Was würdest du dir denn persönlich dafür wünschen und weisst du schon, ob du eine Standard oder CE Version kaufen wirst?
Ich bin eigentlich nicht unbedingt ein Fan dieser Special Editions. Aber wenn das Ganze gut gemacht ist und wirklich was Interessantes bietet, kann ich mir durchaus vorstellen, so etwas zu kaufen – vorausgesetzt, der Preis ist einigermassen vertretbar.
Die meisten CE-Inhalte finde ich eher entbehrlich. Am coolsten wären für mich persönlich vor allem ingame freischaltbare Sachen wie einzigartige Outfits oder irgendwelche witzigen kleinen Gimmicks, mit denen man sich ein wenig vom Rest abheben kann. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass diese Dinge dem Besitzer der CE-Version in keinster Weise irgendwelche spielerischen Vorteile gegenüber anderen Leuten bringen.
Das erinnert mich an fragwürdige Cash-In-Methoden mancher MMOGs, wo man den Spielern für eine höhere Monatsgebühr bessere Items zur Verfügung stellt. So einen Müll sollte man sich als Spieler nicht gefallen lassen – genau wie dieses viel diskutierte Product Placement in PC-Spielen.
Zurück zur CE: der für mich beste Vorschlag bezüglich des Inhalts kam von einem User des offiziellen deutschsprachigen Message Boards (ich weiss leider nicht mehr, wer es war), den ich gerne hier übernehmen möchte: ein aufblasbares Shardship! Frogster, ihr wisst, was ihr zu tun habt :)

Du hast dir doch sicher schon ein paar Gedanken gemacht, wie es denn irgendwann InGame sein wird. Schon eine Idee, welche Klasse und Chartyp du spielen wirst, welche Quests / Geschichten dich jetzt schon fesseln oder welche Plätze du zuerst besuchen magst, nachdem man ja schon einiges über Story und Spiel nachlesen konnte?
Das Tolle an den TCoS-Klassen ist: sie wirken alle so abseits der Norm, so dass ich zum ersten mal wirklich überhaupt nicht sagen kann, wer mein Favorit ist. Ich werde wahrscheinlich stunden –und tagelang erstmal herumexperimentieren. Besonders interessant klingen für mich im Moment der Furyhammer und der Dead Hand. Hm, da fällt mir gerade ein: hoffentlich bleiben uns da abenteuerliche Lokalisierungseingriffe erspart … :)
Dadurch, dass man sein Aussehen grösstenteils selbst bestimmen kann, kann ich auch noch gar nicht sagen, ob mein Charakter ein Mensch oder ein Daevi sein wird. Das ist sehr stark davon abhängig, für welche Klasse ich mich entscheide, welche Ausstrahlung der Char haben soll, usw.
Was Orte anbelangt, bin ich im Moment am meisten auf den Splitter Carnyx gespannt. Ich finde die geschichtlichen Hintergründe der Schattenhammer-Periode und der feindlichen Fraktionen der Vhuul und der Arioniten sehr interessant und hoffe, dass diese Zusammenhänge auch ingame wirklich spürbar sind. Es war ja bereits davon die Rede, dass der Vhuul-Führer Archfell im Spiel als übermächtiger Obermotz fungieren wird und von den Vhuul durch uralte Magie in regelmässigen Abständen immer wieder zum Leben erweckt wird und dieses Ereignis immer erhebliche Auswirkungen auf den Splitter hat. Klingt sehr interessant und natürlich wäre es auch cool, den historischen, verheerenden Kampf gegen den Schattenhammer im Rahmen einer Ancestral Quest miterleben zu können.

Noch ein paar Worte für unsere Community / die DEVs oder die ganze Welt?
Nie ohne Kondom!

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns und dieses Interview genommen hast.


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